Milena Glimbovski im Interview

Milena Glimbovski studierte, nach einer Ausbildung zur Grafikdesignerin, Wirtschaftskommunikation an der Universität der Künste in Berlin. Kurz darauf entschloss sie sich, ihre Idee in die Tat umzusetzen und eröffnete 2014 mit “Original Unverpackt” das erste verpackungsfreie Geschäft in Deutschland. Das Konzept eines Supermarkts, der auf Einwegverpackungen verzichtet und somit auf weniger Müll und mehr Nachhaltigkeit setzt, hatte Milena zuvor über eine Crowdfunding-Plattform vorgestellt und mit über 4.000 Unterstützern und einem Funding von über 100.000€ wurde dies zu einer der erfolgreichsten und bekanntesten Crowdfunding-Kampagnen in Deutschland. 2015 hat Milena zudem mit ihrem Mitgründer Jan Lenarz das Buch “Ein guter Plan”, eine Mischung aus Terminkalender und Lebensplaner, der zu mehr Achtsamkeit im Alltag verhilft, entwickelt und erfolgreich im Selbstverlag herausgebracht.

Findest du es wichtig, diese Branchenkenntnis zu haben oder kann es vielleicht auch ein Vorteil sein, unvoreingenommen an die Sache heranzugehen?

Es kann ein Vorteil sein, die Gründung etwas naiv anzugehen. Ein eigenes Unternehmen zu gründen ist wie einen riesigen Berg, dessen Spitze man nicht sieht, zu besteigen. Ich bin sozusagen einfach losgelaufen und habe alles auf mich zukommen lassen. Es gibt jedoch auch Fehler, die ich hätte vermeiden können. Beispielsweise hatte ich erst spät einen Experten aus dem Lebensmittelbereich ins Team geholt. Man kann sich zwar viel selbst aneignen, aber die praktische Erfahrung ist ebenso wichtig. Diese sollte man vor der Gründung sammeln oder mit jemandem gründen, der solche Erfahrung bereits besitzt.

Du hast eine Crowdfunding-Kampagne durchgeführt, die sehr erfolgreich war. 45.000€ waren das Ziel, eingesammelt hat Original Unverpackt dann gut 100.000€. Wie erklärst du dir den Erfolg und hast du vielleicht Tipps für andere?

Zum einen ging es um ein Thema, das viele Leute anspricht. Zum anderen hatte ich sehr genau kalkuliert, wie viele Menschen wir erreichen können und auch, wie viel wir in etwa einnehmen können. Mein Tipp ist, dabei realistisch zu bleiben, denn es gibt nichts Frustrierenderes, als viel Arbeit investiert zu haben und dann sein Ziel nicht zu erreichen. Außerdem macht die richtige Werbestrategie einen Teil des Erfolgs aus. Es wäre ein Fehler, wenn man zu viel Geld für das Werbevideo ausgibt, es zu unpersönlich gestaltet, und beispielsweise im Video nur das Produkt und nicht die Gründer zeigt. Das ist kein Crowdfunding. Die potenziellen Unterstützer wollen sehen, wer hinter der Idee steckt. Mein Tipp ist also, lieber ein halbwegs gutes Video mit Herz, das alles im Wesentlichen erklärt, fürs Crowdfunding zu drehen.

“Wenn eine Idee da ist, die einen nicht mehr loslässt, dann liegt es an einem selbst diese wahr zu machen.”

Und wie kann man sich euren besonderen Terminkalender “Ein guter Plan” genau vorstellen?

 

Das Buch enthält zum einen den Lebensplaner-Teil und ist ein bisschen wie ein Personal Coaching. Es gibt zum Beispiel eine Tabelle über die eigenen Werte, denn wann hat man das letzte Mal überlegt, was die eigenen Werte eigentlich sind? Also nicht das, was von einem erwartet wird, sondern was einem selber wichtig ist. Mir sind beispielsweise Mitgefühl, Achtsamkeit und Dankbarkeit sehr wichtig. Was mir hingegen nicht so wichtig ist, sind Verantwortung und Loyalität. Jedem ist etwas anderes wichtig. Aber wenn man weiß, was einem wichtig ist, kann man auch sagen: “Okay, das sind meine Maßstäbe und nach denen handle ich!” In dem Buch gibt es auch eine Liste, die ich sehr gut finde, wo es darum geht: ‘Was macht mich unglücklich?’ Diese Dinge kann man dann versuchen zu meiden. Und da wir festgestellt haben, dass viele Menschen gar nicht wissen, wie man Projekte richtig angeht, haben wir eine gute Technik von David Allen zusammengefasst und erklären genau, wie man Stück für Stück an die Sache herangeht. Auch das Thema ‘Nein’ sagen, haben wir mit im Buch aufgenommen. Viel zu oft sagt man ‘Ja’, obwohl man ‘Nein’ meint, gerade im beruflichen Kontext. Und mit Fragen wie “Wann sagst du ‘Ja’, wenn du ‘Nein’ meinst? Welche Konsequenzen hat es, wenn du tatsächlich ‘Nein’ sagst?” kann man mehr über sich herausfinden. Letztlich ist das Buch wie ein Freund, der die richtigen Fragen stellt.

 

 

 

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