Social Entrepreneurship & Startup mit Dr. Joana Breidenbach

Joana Breidenbach ist gebürtige Hamburgerin, ging aber schon während der Schulzeit nach England und studierte Kulturanthropologie und Kunstgeschichte an der LMU in München. Ein Umzug nach Berkeley in die USA mit ihrem Mann, den sie in ihrer Münchener WG kennengelernt hatte, sowie ein Auslandssemester in London erweiterten Joanas wissenschaftlichen Fokus dann um weitere aktuelle soziale und gesellschaftliche Themen, wie der kulturellen Globalisierung. Dies sollte auch ihre zukünftige Arbeit maßgeblich prägen. Nachdem Joana promoviert hatte und Mutter von zwei Kindern geworden war, widmete sie sich längeren Feldforschungen und diversen Publikationen.

„Wenn man etwas macht, worin man gut ist, dann entwickelt sich die Leidenschaft und die Motivation von selbst.“

Während einer Weltreise mit ihrer Familie werden Joana und ihr Mann Stephan auf sogenannte Graswurzel-Projekte aufmerksam, die sie publik machen wollen. Daraufhin gründen die beiden 2007 in Berlin mit weiteren Geschäftspartnern die Online-Plattform betterplace.org, auf der sich weltweit Initiativen präsentieren und ihr Fundraising abwickeln können. Die Grundidee dahinter ist, lokale Graswurzel-Projekte sichtbarer zu machen und transparenter über das Internet darzustellen, was wiederum die Partizipation der Spender erhöhen soll. 2010 gründete Joana zudem das betterplace lab, einen Think-Tank, in dem Trendforschung zu Themen wie Digitalisierung und Gemeinwohl stattfindet.

2007 waren Digitalisierung und Gründung noch ganz neue Themen. Wo habt ihr denn den Mut zur Gründung hergenommen?

Es gab damals viele internationale digitale Innovationen, die aber nur zu einem Bruchteil in Deutschland ankamen. Das war unser Antrieb. Zudem hatten mein Mann und ich bereits fundierte Karrieren, weshalb sich das Risiko nicht so groß anfühlte. Die Menschen sprangen auch schnell auf die Idee an und so fanden wir bald Mitmacher und Unterstützer. Das beflügelte uns noch mehr, mit diesem Projekt fortzufahren.

Wie lange hat es gedauert, bis ihr euch ein funktionierendes
Geschäftsmodell aufgebaut habt?

Wir haben viele Geschäftsmodelle ausprobiert. Für unsere Dienstleistung zahlen vor allem Unternehmen, für die wir ein spezielles Geschäftsmodell entwickelt haben. Wir bieten gegen Bezahlung an, für die Unternehmen ein Portal für ihr soziales Engagement zu erstellen. Wir stellen für sie Spendenquittungen aus und betreuen die lokalen Projekte.

Somit können die Unternehmen ihr Engagement zeigen und wir bekommen Geld für unser Team. Neben diesem Modell gibt es zudem die Möglichkeit, dass uns Projekt-Spender beim Check-Out-Prozess ein Trinkgeld geben können, das wir dann direkt erhalten. Seit neuestem zahlen uns auch die Projektmacher 2,5% der Spendensumme, die sie über die Plattform einnehmen. Damit können wir unsere Transaktionskosten, wie u.a. Bankgebühren, decken. Mit diesen Konzepten konnten wir seit 2011 die Refinanzierung unserer Plattform sichern.

Wie bist du mit den anfänglichen Unsicherheiten, die eine Gründung mit sich bringt, zurecht gekommen?

Jeder Mensch hat eine unterschiedliche Risikobereitschaft. Manche Menschen brauchen viel Halt und Sicherheitsstrukturen, andere nicht. Ich selbst hätte mit 25 Jahren nicht gründen können, weil ich damals persönlich noch nicht so weit war, mir das wirklich zuzutrauen.

Aber mit den Jahren und durch meine Mutterrolle baute ich Sicherheitsstrukturen in mir auf, mit Hilfe derer ich mittlerweile mit Unsicherheit, Ambivalenz und Risiko ganz gut umgehen kann. Geholfen hat sicher auch, dass ich davor eine erfolgreiche Karriere hatte und daraus bereits ein gewisses Selbstbewusstsein mitnehmen konnte. Trotzdem habe ich auch heute manchmal noch schlaflose Nächte. Aber generell habe ich eine gute Distanz zu den eigenen Ängsten entwickelt.

„Jeder Mensch hat eine unterschiedliche Risikobereitschaft. Manche Menschen brauchen viel Halt und Sicherheitsstrukturen, andere nicht.“

 

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